Kamil Holzer 1911 - 1985


Kamil Holzer wurde Felix Kamil genannt, was auf seinen Vater Felix Holzer hinweist.
Kamils Vater Felix starb früh und seine Mutter erblindete. Kamil und seine Schwester waren
gesund, aber die übrigen Geschwister waren kränklich. Darum lastete der Broterwerb für die
Familie schon bald auf Kamils Schultern. Vor allem als Schäfer, geschickter Werkzeugmacher
und Wilderer brachte Kamil die Familie durch.

Noch vor Kamils Geburt um 1900 sind wohl in der oberen Wohnung zwei kleine Kammern,
getrennt durch einen niederen Gang, eingebaut worden. Die Wände wurden mit zwei bis drei
Schichten Zeitungen winddichter gemacht. Darüber kam ein Täfer, das mit Ölfarbe hellgrün
angestrichen war. Später wurde über das grüne Täfer ein zweites Täfer befestigt, das weiss
gestrichen wurde. In der unteren Wohnung wurden an die Stubenwände ebenfalls mit
Knochenleim Zeitungen geklebt und ein Kassettentäfer angebracht. Die Zeitungen von 1900
stammen von verschiedensten Familien aus Fieschertal bis Bellwald.

An der Aussenwand deuten Zeitungsschichten von 1937 darauf hin, dass Kamil und sein Vater
die ganze Fassade winddicht machten. Die ganze Aussenfassade ist rund herum mit solchen
Zeitungen beklebt. In Monate langer Arbeit schnitten Kamil und sein Vater ca. 15 cm lange,
unten halbkreisförmige gerundete Schindeln zu. Jede Schindel nagelten sie an die Fassade
in Reihen neben einander an. Mit 5 cm Abstand darüber versetzt folgte die nächste Reihe, usw.,
bis die ganze Fassade schuppenförmig verkleidet war. Das Heidehus wird eine Zeit lang als Post
gedient haben. Felix Holzer habe zum Entsetzen von Kamil das ganze Haus daher gelb
angestrichen. Noch heute kann die gelbe Farbe gesehen werden, wenn die heute braune Farbe
vereinzelt abblättert.

Kamil war ein Dorforiginal. Noch heute werden zahlreiche Anekdoten über ihn erzählt.
Zusätzlich las er viel, schrieb Sprüche von Hauswänden ab, machte Gedichte und trug
sie sprechend oder singend vor. Im Juli 2015 wurde das Büchlein «dr Felix Kamil»
von René Diezig mit Illustrationen von Andrea Messerli herausgegeben.

Als Kamils Eltern und Geschwister gestorben waren, die eine Schwester auswärts verheiratet,
benutzte Kamil das Elternhaus kaum mehr. Die untere Wohnung diente zum Lagern von Heu,
auch nahm er seine Schafe in die Stube. Am wohlsten war es ihm in seinen verschiedenen
Alphütten, dem Schranni im Sommer, Blatti im Winter, wo er mit seinen Tieren lebte.