Das Heidehus


Heidehüser im Wallis datieren alle aus den Jahren vor 1500. Mit dem Namen Heidehus wurden
Häuser mit sehr hohem, unbestimmbarem Alter bezeichnet. Auch weisen all diese Heidehüser
die gleiche, besondere Giebelkonstruktion auf, die nach 1500 nicht mehr angewandt wurde.

Typisch für Heidehüser sind die giebelseitigen Abroste (parallel zur Dachschräge laufende
Kanthölzer), welche im Giebelständer (Mantelstud) eingenutet sind. Der Giebelständer steht unter
dem First und reicht bis ungefähr in die Mitte der Giebelwand. Die aus der Wand ragende vordere
Fläche des Giebelständers wurde mit Schnitzereien und Einkerbungen verziert meistens in Form
von Kreuzen, manchmal auch Äxte und Klauenmotive. Diese wurden zum Schutz vor bösen
Geistern und zur Abwehr von Unheil angebracht.

Das Heidehus in der unteren Bodma ist das älteste Haus der Gemeinde Bellwald.
Mit einer dendrochronologischen Untersuchung konnte das Baujahr genau bestimmt werden mit
dem Jahr 1466. Bei Erkundungen zum Schaffen von neuem Siedlungsraum, mussten die ersten
Walserbewohner der Bodma die günstige Lage des Hügels der Seitenmoräne erkannt haben, die
Sicherheit vor Naturgefahren bot. In dieser Zeit wurden die Bäume gefällt, gleich an Ort zu Balken
gesägt und in Blockbauweise verbaut. Die Balken wurden ohne Nut und Kamm aufeinander gelegt
und nebst dem Gwätt mit Holzzapfen in ihrer Lage stabilisiert. Damit der Wind weniger durch
die Ritzen pfiff, wurde zwischen die Balken eine Lage Moos gelegt.

Diese alten Walliser errichteten zwei Stockwerke mit je einer Wohnung. So konnten sich zwei
Familien im Heidehus einrichten. Um die Wärme im Haus zu behalten waren die Eingangstüren
sehr niedrig, ca. 1m 50cm hoch. Auch wird es nur wenige und kleine Fensterlöcher gegeben haben.
Eine offene Feuerstelle diente wohl zum Kochen und als Wärmequelle.

Wie die ersten Bewohner des Heidehus hiessen, ist nicht bekannt.1653 wurde wahrscheinlich der
Tragbalken der Stube im Parterre ausgewechselt. Die Inschrift ist sehr wahrscheinlich von den
damaligen Besitzern Peter Michlig und Maria Statler in Spiegelschrift in den Balken gekerbt worden.

Im Verlauf der nachfolgenden Jahrhunderte wurde in beide Wohnungen je ein Specksteinofen
eingebaut.